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ASM
Arbeitskreis
Südtiroler Mittel-,
Ober- und Berufsschul-
lehrer/innen
Schlernstr. 1
I-39100 Bozen
Tel. 0471 97 63 70
Fax 0471 976719
asm@asm-ksl.it

Stellungnahme des ASM zum Bildungsomnibus

Der Vorstand des Arbeitskreises Südtiroler Mittel-, Ober und Berufsschullehrer  hat den Entwurf zum neuen Bildungsgesetz mit Interesse gelesen und möchte hiermit zu den Schwerpunkten Stellung nehmen:

1.       Eine Harmonisierung der Ranglisten erscheint uns wichtig und notwendig, daher begrüßen wir Maßnahmen, welche eine Vereinheitlichung zum Ziel haben. Wir stellen uns  eine transparente und nachvollziehbare Regelung vor und regen dazu an, bei Bedarf auch Einzelfälle genau zu betrachten, um zu verhindern, dass unvertretbare Benachteiligungen eintreffen.

2.       Es wäre in diesem Zusammenhang auch höchst an der Zeit, den Ausbildungsweg für die KollegInnen an der Berufsschule bindend zu definieren, um unter die leidigen Sanierungen von Altsupplenten endlich einen Schlussstrich zu ziehen.

3.       Anerkennung außerschulischer Bildungsangebote: Es ist unseres Erachtens immer noch nicht geklärt, welches Ziel damit verfolgt werden soll. Hier müsste  zuerst prinzipiell geklärt werden,  welche Bildung wir als Gesellschaft denn wollen.

Schulische und außerschulische Bildung sind in ihrer Zielsetzung nämlich nicht deckungsgleich. Die beiden Bereiche ergänzen sich im Idealfall, können und dürfen aber nicht gegeneinander ausgespielt werden, indem man stets in Zusammenhang mit Schule von Belastung spricht, die anderen Angebote aber mit „Spiel und Spaß“ in Verbindung bringt.  Da ist die Forderung nach einer fundierten, zukunftsorientierten Bildung schnell vergessen. Doch ist das auch nachhaltig? Schon heute wird es für junge Menschen im Allgemeinen und für unsere Schulabgänger im Besonderen  immer schwieriger, gute Arbeits- und Studienplätze zu bekommen. Welche Bildungsbasis brauchen sie, um sich in diesem Wettbewerb zu behaupten? Sollte nicht diese Frage im Mittelpunkt stehen?

4.       Auch die Frage nach der Qualität der außerschulischen Angebote darf nicht vernachlässigt werden. Wer garantiert die Qualität? Welche Ausbildung bringen die außerschulischen Anbieter mit und ist diese vergleichbar mit dem Ausbildungsweg, den Lehrkräfte in der Schule aufweisen können (müssen)? Das Berufsbild spricht von grundlegenden Kompetenzen, die für die Ausübung des Lehrberufs erforderlich sind und die durch eine entsprechende Ausbildung und  durch kontinuierliche Fortbildung weiterentwickelt werden. Im Einzelnen geht es um Fachkompetenzen, didaktisch-methodische Kompetenzen, erzieherische Kompetenzen, kommunikative und kooperative Kompetenzen. Kurz: Der Lehrberuf erfordert eine hohe Qualifikation und stellt hohe Anforderungen … bringen außerschulische Anbieter vergleichbare mit?
Klare Aussagen braucht es auch bezüglich der anrechenbaren Zeit.  Der Vorschlag eine Instrumentalstunde (welche im Allgemeinen 25 Minuten umfasst) mit einer Wahlpflichtstunde (60 Minuten) gleichzusetzen, stellt unseres Erachtens eine gravierende Ungleichbehandlung sowohl  der SchülerInnen als auch der Bildungsangebote dar. 
Bedenken haben wir auch bezüglich der Anerkennungsform. Erfolgt diese mit einer Bewertung (Note)? Wer nimmt dann an den Bewertungskonferenzen teil? Könnte man es etwa bei einer Bescheinigung der erlangten Kompetenzen belassen, ohne Ziffernnote? Die Note für das Wahlpflichtfach bildet in der Mittelschule gemeinsam mit den anderen Bewertungen (ausgenommen Religion) die Basis für die Zulassungsnote zur Abschlussprüfung, es ist also ungut, und juridisch wohl auch nicht machbar, hier Benotungen von außen aufzunehmen, , ohne die Bewertenden in die Arbeit der Gremien einzubinden und einen angemessenen Informationsaustausch (verbunden mit einem Mehraufwand für alle) zu gewährleisten. Von den anfallenden Datenschutzproblemen soll hier noch gar nicht die Rede sein.

5.       Noch wesentlich problematischer erscheint uns die Form der Anerkennung außerschulischer Bildung in der Oberstufe. Zunächst: Für das Triennium gibt es sie bereits seit 1999, in Form der „Bildungsguthaben“. Will man das verdoppeln?

6.       Die vorgesehenen bis zu 57 Stunden könnten hier nur im Bereich der fächerübergreifenden Stunde oder im Kernunterricht anerkannt werden. Erstere ist eingeführt worden, um endlich für mehr Vernetzung der Inhalte und Kompetenzen zu sorgen, ein im Rahmen der Reform sehr wichtiger Aspekt. Gibt man ihn jetzt bereitwillig wieder auf?

Andererseits, wenn Schüler die Inhalte dennoch beherrschen, die Fertigkeiten und Kompetenzen erwerben müssen, was ist dann die Entlastung? Gut, sie bringen ihre Tätigkeiten zeitlich leichter unter, müssen dann aber eigenständig Inhalte nachholen. Ist das Entlastung?
Schüler(vertreter) fordern zwar lautstark die Reduzierung der Unterrichtsstunden, doch die Aussagen betroffener Oberschülerinnen und von VertreterInnen von Jugendorganisationen (RAI Südtirol, 21.11.2014) relativieren diese Forderung deutlich.
Die außerschulisch erworbenen Kompetenzen tragen sicherlich auch Früchte ohne, dass sie stets mit dem schulischen Angebot  in Konkurrenz stehen oder ihr Wert am „Zeitnachlass“ für schulische Tätigkeiten gemessen wird. Anerkennung dafür gibt es im Triennium wie gesagt schon heute. Das müsste eigentlich reichen.

Der dritte Schwerpunkt des Bildungsgesetzes hat sich das hehre Ziel gesetzt, für mehr Kontinuität an den Schulen zu sorgen und soll gleichzeitig Planstellen für junge KollegInnen schaffen. Beide Aspekte, sind auch uns sehr wichtig, doch sind wir der Meinung, dass der vorgeschlagene Weg nicht bzw. nur teilweise zielführend ist. Eine Aufstockung des Zusatzstellenplans hat sicherlich den gewünschten Effekt, bezüglich der Abänderung der geltenden Teilzeitregelung, hegen wir große Zweifel. Hier könnten andere Maßnahmen wesentlich schneller und nachhaltiger Abhilfe schaffen. Beim Bildungsdialog in Meran wurde zwar zugesichert, man wolle diesen Punkt nochmals überdenken, doch erscheint uns das zu wenig. Die Teilzeitregelung ist Teil des Arbeitsrechts und muss mit den arbeitsrechtlichen Vertretern ausverhandelt werden.

7.       Auch die “Wiederbestätigung der Stellen“  könnte sich auf die didaktische Kontinuität positiv auswirken. Es braucht dafür allerdings eine transparente Regelung, die Entscheidung darf nicht nur einer Person obliegen, sondern sollte von einem Gremium, z.B. vom Dienstbewertungskomitee, getroffen werden.