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ASM

Arbeitskreis
Südtiroler Mittel-,
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Stellungnahme zum Sportunterricht

Ich möchte in meiner Stellungnahme zum Artikel der Tageszeitung vom 03. Mai 2022 zum Südtiroler Sonderweg in Sachen Sportunterricht gar nicht weiter auf die Bedeutung der Bewegung für die Kinder und Jugendlichen eingehen. Dazu gibt es unzählige wissenschaftliche Studien, die in Schulkreisen und jedem, der in diesem Bereich arbeitet, hinlänglich bekannt sein sollten.

Einige Aussagen in diesem Artikel sind allerdings schlichtweg falsch, und als langjährige engagierte Sportlehrerin an der Mittelschule und Mutter von drei mittlerweile erwachsenen Kindern kann ich diese nicht unkommentiert lassen.

Mit der Einführung der Rahmenrichtlinien wurde Südtirol, was die Bewegungszeit an der Grundschule anbelangt, zum Schlusslicht in Italien (europaweit sowieso).  Nur mehr 1,5 Stunden Bewegung und Sport in den vierten und fünften Klassen gab es in den anderen Provinzen nicht. Die Aufwertung auf zwei Einheiten in der Woche vor einigen Jahren wurde keineswegs in allen Südtiroler Schulen umgesetzt. Viel mehr hat man vielerorts nach „alternativen“ Möglichkeiten gesucht und teilweise selbst den Weg zur Mensa und auch die Pausen als Bewegungszeit mit eingerechnet.

Auch die Aussage, dass in Südtiroler Schulen qualitativ besserer Sportunterricht als in anderen Provinzen stattfindet, stimmt so nicht. Projekte, bei denen ausgebildete Sportlehrer in der Grundschule zum Einsatz kommen gibt es in vielen italienischen Schulen. In unserer Nachbarprovinz steht diese Form des Sportunterrichts bereits seit längerem an der Tagesordnung.

Keinesfalls möchte ich die Bemühungen der GrundschullehrerInnen in Frage stellen, die sicher vielerorts ihr Bestes geben, um den Bedürfnissen der Kinder im Bewegungsbereich entgegenzukommen. Doch kann die langjährige fundierte Ausbildung eines Sportlehrers keinesfalls mit der – wenn auch intensiven – Vorbereitung eines Fachberaters gleichgesetzt werden, geschweige denn mit der Ausbildung für den Sportunterricht der GrundschullehrerInnen.  Zudem gibt es bei weitem nicht in jeder Grundschule einen Fachberater. Es sind mir persönlich außerdem einzelne Fälle bekannt, in denen der Fachberater - aus welchen Gründen auch immer - an einzelnen Schulen gar nicht mit dem Sportunterricht betraut wurden.

Die Befürchtung der Schulamtsleiterin, dass durch die Einführung der Sportlehrer an den Grundschulen das Risiko besteht, Schulen der Serie A und Schulen der Serie B zu schaffen, ist unbegründet. Mit etwas gutem Willen und organisatorischem Geschick wäre es durchaus möglich, auch kleinere Schulen in ihrem Bewegungsunterricht durch qualifizierte Sportlehrer zu unterstützen. Diese Aussage von Frau Falkensteiner lässt fast den Schluss zu, dass man es in Südtirol vorzieht, lieber mehr Schulen der Serie B zu schaffen, als die Chance zu ergreifen, mit zumindest einigen Schulen in der Serie A „mitzuspielen“.

Viele junge motivierte SportlehrerInnen warten auf ihren Einsatz, in der Grundschule herrscht akuter Lehrermangel, die Voraussetzungen für die Serie A könnten also besser nicht sein.

Die Bewegungserfahrung der Schülerinnen und Schüler nimmt immer mehr ab, die Ergebnisse der sportmotorischen Tests sind teilweise katastrophal. Corona hat die schwerwiegenden Defizite vieler Kinder zusätzlich verschärft.

Umso bedauerlicher ist es, dass die motorischen Bedürfnisse der Kinder und die damit verbundenen Auswirkungen auf physische und psychische Gesundheit sowie motorische und kognitive Leistungsfähigkeit in höchsten Schulkreisen so wenig Beachtung finden und anscheinend andere, für Außenstehende nicht nachvollziehbare Interessen, im Vordergrund stehen.

Petra Schöpfer