Mitglied werden!LinksImpressumCookies© 2017

ASM
Arbeitskreis
Südtiroler Mittel-,
Ober- und Berufsschul-
lehrer/innen
Schlernstr. 1
I-39100 Bozen
Tel. 0471 97 63 70
Fax 0471 976719
asm@asm-ksl.it

Gedankensplitter

Rechtssicherheit … Regeln … wozu?

Jedes Jahr – wann genau ist mir entgangen – wird das „Wort -„ oder „Unwort des Jahres“ gekürt. Nun ich würde die beiden Wörter „Rechtssicherheit“ und „Regeln“ als Kandidaten nominieren - für welche Kategorie lasse ich offen, das mögen die Leser dieser Zeilen selbst entscheiden.

„Rechtssicherheit“, da sich einige der  Altmandatare gemüßigt sehen, sich mit dem Hinweis, dass diese zu erstreiten nahezu ein Pflichtdienst für das Gemeinwohl wäre, gegen eine Beschneidung ihrer goldenen Pensionsausgleichzahlungen gerichtlich zur Wehr zu setzen. Dazu sei nur angemerkt: Der einfache Bürger hat verschiedene von den Politikern beschlossene Renten- und Pensionsreformen, die drastisch die Bedingungen (zum Negativen) verändert haben, hinnehmen müssen. Das war eine Notwendigkeit (die ich auch gar nicht in Frage stelle) und wir haben die Kröte wohl oder übel geschluckt. Also ist Rechtssicherheit etwas Relatives, das geänderten Gegebenheiten angepasst werden muss (kann), wenn es das Gemeinwohl erfordert. Dass einige der „goldenen Altmandatare“ ausgerechnet das Erstreiten von Rechtssicherheit als Begründung für ein gerichtliches Vorgehen gegen die Beschneidung ihrer Privilegien angeben, ist ein Paradebeispiel an Arroganz.

„Regeln“, auch dieses Wort ist ein Chamäleon. In einer Demokratie sollten Regeln für alle gleichermaßen gelten, oder doch nicht? Habe ich da etwas falsch verstanden? Es scheint so! Auf alle Fälle war schon seit Jahrzehnten klar, welche Regeln gelten bzw. welche Ausbildungswege einzuschlagen sind, will man eine Planstelle in der Schule besetzen. Nun, die meisten Lehrpersonen haben den vorgeschriebenen Ausbildungsweg absolviert. Die einen als Vollzeitstudenten, die anderen neben ihrer beruflichen Tätigkeit. Erstere haben einige Jahre auf ein geregeltes Einkommen  verzichtet und auch finanziell viel in eine fundierte Berufsausbildung investiert. Letztere haben neben den Kosten auch eine jahrelange Doppelbelastung auf sich genommen. Und nun? Nun dürfen sie mitansehen, wie zum wiederholten Male „Altsupplenten“ saniert werden. Wohlgemerkt, nicht jene der „ersten Stunde“, die die Mittelschule und Berufsschule und manchmal wohl auch die Oberschule in Südtirol mit aufgebaut haben, das waren andere Zeiten und diese „Pioniere“ wurden zu Recht „saniert“. Nein, ich spreche von jenen, die eigentlich meine Altersklasse und jünger sind. Die als Supplenten in den Schuldienst traten und denen sehr wohl von Anfang an bewusst war, dass sie kein Anrecht auf eine Planstelle haben, wenn sie ihre Ausbildung nicht vervollständigen. Diesen Schritt, der zu dieser Zeit allen offen stand, haben sie nicht gesetzt. Die Konsequenz daraus? Die Regeln werden erneut außer Kraft gesetzt! Ein Versäumnis wird belohnt! Das geschieht in Südtirol zeitgleich mit der Umsetzung der reformierten Lehrerausbildung, die noch mehr Zeit erfordert. Und das Tüpfelchen auf dem i? Einige haben sogar junge KollegInnen mit gültigem Studientitel verdrängt! Es passiert in einem Schuljahr, in dem es erstmals möglich ist eine Berufsmatura zu machen.

Wen wundert’s, dass ich Bedenken habe meine Schüler von der Wichtigkeit einer fundierten Ausbildung zu überzeugen – die Realität belehrt mich eines Besseren. Ich habe auch nach der Matura als Supplentin unterrichtet, habe mich bewusst für den Lehrberuf entschieden, studiert, zwischendurch immer wieder gearbeitet, um mir das Studium leisten zu können… Studienzeit, die ich das Glück hatte „zurückkaufen“ zu können, um sie für die Pension anrechnen zu können. In dieser Zeit haben die anderen unterrichtet, hatten ein Einkommen, waren pensionsversichert und haben nun auch eine Planstelle! Gleiche Regeln für alle sehen wohl anders aus …