GROSSTAGUNG DER TECHNIKERZIEHER/INNEN
Am 09. April 2010 trafen sich die Techniklehrer/innen zur traditionellen
Großtagung im Kolpinghaus in Bozen. Für den Schwerpunktvortrag zum
Thema „Stellenwert der technischen Berufe in Südtirol“ konnte
Univ. Prof. Dr. Konrad Bergmeister gewonnen werden. Der Vorsitzende der Landesfachgruppe
Technik begrüßt die Kolleginnen und Kollegen, bedankt sich für
ihr Kommen und eröffnete die Tagung.
Prof. Bergmeister erläutert anhand einer Power Point Präsentation
interessant und eindrucksvoll den Unterschied zwischen Erfahrungswissen und
Verständniswissen. Um den Kindern Ursache und Wirkung näher zu bringen,
wären in der Mittelschule mindestens 4 Wochenstunden notwendig.
Er zeigt zwei Visionen auf:
Vision: Technik + Ethik
Vision: Technik + Ethik + Kommunikation
Der Vortragende stellt den prozentuellen Anteil von Technik in den Fachdisziplinen
folgendermaßen dar:
Berufswelt von heute
Fachdisziplinen - %Technik
Geisteswissenschaften 15%
Kunst/Musik 30%
Natur-/Technikwissenschaften 50%
Wirtschaft/Sozialwissenschaften 20%
Medizin 40%
Im Mittel ergeben sich daraus 30% technikrelevante Fachgebiete in den Fachdisziplinen.
Die derzeitigen 2 Technikstunden in der Woche machen rund 7% des wöchentlichen
Unterrichts aus, notwendig wären das Doppelte.
In der anschließenden lebhaften Diskussion haben sich folgende Schlussfolgerungen
ergeben:
-Die Begeisterung für ein Fach, die ein Kind bis zur Mittelschule entwickelt,
bleibt. Später wird es schwierig, diese Begeisterung zu wecken.
-Die Denkweise Ursache – Wirkung muss den Schülern und Schülerinnen
nahe gebracht werden.
-Es soll ein technikfreundliches Umfeld geschaffen werden.
-Eltern sollen aktiv eingebunden werden, damit eine Identifikation entsteht.
-Reines Informationswissen wird vergessen, Erfahrungswissen bleibt, deshalb
ist das Fach Technik sehr wichtig.
-Um die Ausbildung der Techniklehrer/innen muss gekämpft werden, die Qualität
des Unterrichts hängt damit zusammen.
-Die Techniklehrer/innen müssen mit den Eltern darum kämpfen mehr
Technikstunden an den Schulen zu bekommen.
Abschließend signalisierte Prof. Bergmeister die Bereitschaft, die Besichtigung
von Großbaustellen in Südtirol auch für Schüler/innen zu
unterstützen.
Die Kollegin Karin Niederwolfsgruber stellte das Schulcurriculum für Technik
der Mittelschule Olang, Kollege Albert Platter jenes der Mittelschule Laas vor.
Im Anschluss entwickelte sich eine angeregte und fruchtbringende Diskussion.
Informationen des Vorsitzenden Vinzenz Matzneller:
• Die Landesrätin Sabina Kasslatter Mur ließ sich entschuldigen,
sie schickte Grüße an die Techniklehrer/innen.
• Schulamtsleiter Dr. Peter Höllrigl konnte nicht persönlich
an der Tagung teilnehmen, er wurde von Dr. Stefan Tschigg vertreten.
• Am 11.März 2010 hatten Frau Erika Kofler und Vinzenz Matzneller
eine Aussprache mit Schulamtsleiter Dr. Peter Höllrigl zu folgenden Themen:
Techniklehrer/innen Ausbildung mit gültigem Studientitel und Aufnahme in
die Stammrolle. Es gab keine konkreten Ansätze, die Verantwortlichen des
Schulamtes haben immer wieder auf ausstehende Weisungen aus Rom verwiesen.
• Acht Teilnehmer/innen an der Großtagung sind daran interessiert,
eine entsprechende Weiterbildung zu absolvieren, um dann in die Stammrolle aufgenommen
zu werden.
• Frau Gaslitter ist der Meinung, es müsste mehr Druck auf das Schulamt
und die Politiker ausgeübt werden, damit etwas unternommen wird und die
Stammrolle in greifbare Nähe rückt.
• Im Schulamt werden für alle Fächer der Pflichtschule Handreichungen
verfasst. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Techniklehrern und Techniklehrerinnen
ist dabei, die Handreichungen für Technik in der Mittelschule ab zu fassen.
• Kollege Vinzenz Matzneller steht auch in diesem Schuljahr zur Betreuung
und Unterstützung des Technikunterrichts zur Verfügung.
• Der Vorsitzende berichtet von seinen gesammelten Erfahrungen mit den
Schulverantwortlichen in Belgien.
Prof. Stefan Kruse aus Schwäbisch-Gmünd referiert zum Thema “Einsatz
von Lernsoftware im Technikunterricht“.
Warum Lernsoftware im Unterricht?
Begründung:
94% der Berufe haben mit einem PC zu tun
62% der Familien haben einen PC zu Hause
35% kaufen über den PC ein
Kollege Kruse zeigte verschiedene Möglichkeiten zum Einsatz von technischer
Lernsoftware im Unterricht vor. Er untermauerte seine Theorien mit praktischen
Unterrichtsbeispielen. Auch E-Learning sollte unbedingt in der Unterrichtsplanung
einen fixen Platz bekommen.
Dr. Stefan Tschigg überbrachte zunächst die Grüße von Schulamtsleiter
Dr. Peter Höllrigl und gab
folgende Informationen:
Die Lehrerausbildung befindet sich in einer Reformphase. Im Sommer 2008 wurde
die SISS ausgesetzt. Die Lehrerausbildung könnte in Zukunft wie folgt aufgebaut
sein: dreijähriges Laureat, anschließend ist ein zweijähriges
Fachlaureatstudium zu absolbieren und abschließend 1 Jahr Fachdidaktik
mit Lehrbefähigung. Im Herbst 2010 könnte das Praxisjahr für
Lehrkräfte mit gültigem Studientitel angeboten werden. 20 Studienplätze
sind dafür an der Uni Brixen reserviert, das Praktikum umfasst 450 Stunden.
Details zum Praktikum sind noch nicht bekannt.
Die Ausstellung von praktischen Unterrichtsbeispielen hat bei den Teilnehmern
und den Teilnehmerinnen der Tagung großes Interesse gefunden und wurde
gut aufgenommen.
Die Techniklehrer/innen konnten von der Tagung viele Informationen mitnehmen,
Altbewährtes hat Bestätigung erfahren, insgesamt gesehen war die Veranstaltung
erfolgreich.
vm