CHANCE AUF LEHRBEFÄHIGUNG FÜR ALLE
Bei Schulbeginn unterzeichnete Bildungsministerin Gelmini ein
Dekret zur neuen LehrerInnenausbildung. Der endgültig abgesegnete Text
wurde noch nicht veröffentlicht, allerdings geistert im Internet eine Version
des Dekrets umher, die weiterhin für Unruhe sorgt.
Die Lehrbefähigung wird erst am Ende des TFA (Tirocinio Formativo Attivo),
ein berufsbegleitendes einjähriges Praktikum (60 ECTS, 1.500 Stunden),
erlangt. Alle Lehrpersonen, selbst jene, die schon seit Jahre unterrichten,
müssen sich der dreifachen Aufnahmeprüfung (multiple choice, schriftlich
und mündlich) unterziehen, allerdings ist die Aufnahme auf eine bestimmte
Zahl von TeilnehmerInnen beschränkt. Bei der Zulassung wird auch der geleistete
Unterricht an den Schulen berücksichtigt. Mit dem Abschluss des TFA sollen
die Lehrpersonen auch noch Kompetenzen im Bereich Sprachen (B2-Level in Englisch)
und multimediale Kompetenzen erworben haben. Bestimmt ein schwieriges und belastendes
Unterfangen! Und selbst damit ist es noch nicht getan! Die Lehrbefähigung
allein gilt nicht automatisch als Zulassungsbedingung für die Aufnahme
in die Stammrolle. Den zukünftigen Lehrpersonen wird eine weitere Hürde
in den Weg gestellt und zwar einen Wettbewerb. Wie dieser gestaltet wird und
was aus den Ranglisten wird, steht noch offen. Die Anerkennung der ausländischen
Lehramtsstudien erschwert die Lage der Südtiroler SupplentInnen ohne Lehrbefähigung
noch mehr. Während es in Italien nach der Einstellung der Wettbewerbe (2003)
und der SSIS (Scuola di specializzazione per l’insegnamento secondario)
im Jahre 2008 keine Möglichkeit mehr gibt, eine Lehrbefähigung zu
erlangen, überholen LehramtsabsolventInnen aus Österreich und Deutschland,
dank ihrer Ausbildung, die KollegInnen ohne Lehrbefähigung in den Ranglisten.
Niemand möchte den LehramtsabsolventInnen ihr Recht absprechen, andererseits
ist es nicht tragbar, dass Lehrpersonen, ohne eigenes Verschulden, in einer
Sackgasse landen und starke Existenzängste haben, da in manchen Wettbewerbsklassen
die Plätze wirklich sehr knapp sind.
In der Vergangenheit haben die Lehrpersonen der verschiedenen Wettbewerbsklassen
getrennte Aktionen unternommen, so z.B. haben die SportlehrerInnen 2008 eine
Unterschriftenaktion gestartet und diese dann dem Landeshauptmann übergeben.
Im Mai 2010 hat sich in der Gewerkschaft Bildung und Wissenschaft im AGB-CGIL
eine Koordinierungsgruppe der SupplentInnen gebildet, die den Vorsatz hat, Lehrpersonen
aller Wettbewerbsklassen mit gültigem Studientitel aber ohne Lehrbefähigung
zu vertreten. Seitdem wurden verschiedene Aktionen unter dem Motto „Zusammen
sind wir stark“ koordiniert, die die Öffentlichkeit, die Landesregierung
und das Deutsche Schulamt auf die unsichere Zukunft der Lehrpersonen ohne Lehrbefähigung
aufmerksam machen sollten. Interviews und Berichte dazu gab es in der FF, der
Tageszeitung und STOL, Südtirol-Journal und Rai Sender Bozen. Die während
der Stellenwahl gesammelten Unterschriften, eine Aktion, an der sich knapp 400
Lehrpersonen beteiligt haben, wurden der Landesrätin Kasslatter Mur am
14. September überreicht. Nach einem ausgiebigen Gespräch, hat die
Koordinierungsgruppe noch mal eine FAIRE CHANCE für die SupplentInnen mit
gültigem Studientitel gefordert.
Wie geht es nun weiter? Nachdem (hoffentlich bald) die endgültige Version
des Dekrets veröffentlicht wird, wird sich die Schulverwaltung mit den
Gewerkschaften erneut treffen, um maßgeschneiderte Schritte für die
besondere Südtiroler Situation zu unternehmen. Inzwischen sorgen wir weiterhin
für ausgiebige Information unter den SupplentInnen.
Monika Reiterer
Für die Interessensgruppe der Supplenten