Schulsportstudie Südtirol 2009
Qualität Unterricht Bewegung und Sport
Laut den Ergebnissen der Schulsportstudie 2009 wird die Qualität
des Sportunterrichts an den Südtiroler Mittel- und Oberschulen sehr positiv
beurteilt. DirektorInnen, Lehrerkollegium, SchülerInnen und Eltern bewerten
sie überwiegend mit „sehr gut“ (42-63%) und „eher gut“
(87-97%). An den Grundschulen sind die Bewertungen der DirektorInnen und Eltern
deutlich niedriger. 20-34% der Befragten beurteilen die Qualität des Sportunterrichts
als „eher mangelhaft“ oder „mangelhaft“.
Ein entscheidender Faktor für diese Ergebnisse ist die Berufsvorbereitung
der LehrerInnen. Die Studie spiegelt deutlich den Zusammenhang zwischen Qualität
der Ausbildung und Fachkompetenz der Lehrpersonen.
Die befragten DirektorInnen haben die Fachkompetenz ihrer SportlehrerInnen an
Mittel- und Oberschulen überwiegend als „sehr gut“ (73-74%)
beurteilt, der GrundschullehrerInnen, die an den Schulen den Sportunterricht
durchführen, überwiegend mit „eher gut“ (52%) und „eher
mangelhaft“ oder „mangelhaft“ (36%)
Während die SportlehrerInnen an den Mittel- und Oberschulen ihre Ausbildung für ihr Unterrichtsfach durchaus positiv beurteilen, sprechen die GrundschullehrerInnen häufig (42%) von einer eher mangelhaften bzw. schlechten Ausbildung im Fach Bewegung und Sport. Diese Beurteilung wird in der Studie auch von den jeweiligen DirektorInnen bestätigt.
Nur der Schulsport kann alle Kinder erreichen, besonders jene
Gruppen, die im Elternhaus oder in der Freizeit noch keinen Zugang zu einer
freudvollen Bewegungskultur gefunden haben. Gerade bei den 6-11jährigen
SchülerInnen leisten Bewegung und Sport einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen
und gesunden Entwicklung der motorischen, sozialen, emotionalen und nicht zuletzt
der kognitiven Kompetenzen.
Die Grundschule benötigt daher einen qualitativ hochwertigen und vielseitigen
Bewegungs- und Sportunterricht, der allerdings mangels entsprechender Ausbildung
der LehrerInnen derzeit nicht überall gewährleistet wird.
Der aktuell gültige Studienplan im Laureatsstudiengang „Bildungswissenschaften
für den Primarbereich“ an der Universität in Brixen sieht in
4 Jahren Ausbildung gerade mal 60 Lehrstunden für das Fach Bewegung und
Sport vor. In 2 Semestern mit je 2 Wochenstunden will man Theorie, Praxis, Didaktik
und Methodik von Bewegung und Sport vermitteln?
Unsere BildungspolitikerInnen sollten einen Blick ins benachbarte Europa werfen:
Die Nachbarländer Österreich und Deutschland schreiben zum einen das
Doppelte und Dreifache an Ausbildungsstunden für die Bewegungs- und Sporterziehung
der Kinder an den Grundschulen vor, zum anderen liegt die Bewegungszeit der
Kinder und Jugendlichen an den Schulen höher als die eine (!!), eineinhalb
oder maximal zwei Sportstunden bei uns. Trotzdem klagen ÄrztInnen, es sei
immer noch viel zu wenig.
Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Entweder wir finden einen Weg, diplomierte
SportlehrerInnen an den Grundschulen unterrichten zu lassen (siehe Trentino
oder mancherorts Lehrpersonen für Englisch und Religion, die an Mittel-
und Grundschule unterrichten), oder aber wir müssen dafür sorgen,
dass die GrundschullehrerInnen für Bewegung und Sport besser ausgebildet
werden.
ISL-Ausschuss