Die Lösung liegt im Zusammenspiel der Kräfte

Ein Kurzbericht zu den Informationsveranstaltungen des Schulamtes über die Erstellung der neuen Schulcurricula an der Oberstufe


1. Allgemeines zu den Rahmenrichtlinien und Schulcurricula

Grundsätzlich fußt die Neuorientierung - einige sprechen sogar von einem „Paradigmenwechsel“ - des Bildungswesens in Südtirol auf folgenden gesetzlichen Säulen:

a) LG Nr.12/2000: Autonomie der Schule
b) LG Nr.12/2008: „Bildungsgesetz“ für Kindergarten und Unterstufe
(Bereits hier wurden die Kompetenzorientierung sowie die curriculare Arbeit der Schulen festgelegt; weiters definieren alle Schule geeignete Instrumente für: Lernberatung, Orientierung, Dokumentation der Bewertung und des Lernfortschritts, Individualisierung und Personalisierung des Unterrichts)
c) LG Nr.11/2010: Oberstufenreform
d) Beschluss der LR Nr.2040/2010: Rahmenrichtlinien der Gymnasien und TFO (organisatorische und inhaltliche Rahmenrichtlinien = Schulverteilungsplan/Stundentafeln und Rahmenrichtlinien für die Fächer; noch ausstehend sind allerdings die Rahmenrichtlinien für die technischen Fächer im Triennium)

Die neuen Rahmenrichtlinien für die Oberstufe ersetzen alle bisherigen Lehrpläne; mit dem Schuljahr 2014/15 greift die Reform voll, d.h. alle Klassen arbeiten dann nach den kompetenzorientierten Curricula.
Die verbindliche Grundlage für die Erstellung der einzelnen Fachcurricula sind diese Rahmenrichtlinien. Alle Ministerialprogramme verlieren somit ihre Gültigkeit. Die Curricula sind integrierter Bestandteil des Schulprogramms und daher auch von allen einsehbar.
Sie sind das Ergebnis eines Prozesses, in dem die Fachgruppen einen gemeinsamen Nenner finden müssen. Inspektorin Marta Herbst sprach von einem „Aushandlungsprozess“ an den Schulen. Damit ist auch ein wesentlicher Bestandteil der Reform angesprochen: An den Schulen muss es zu einer intensiven Auseinandersetzung über Unterricht, dessen Inhalte, Methoden, Didaktik usw. kommen. Es geht also um Unterrichtsentwicklung. Das Fachcurriculum wird zum Bindeglied zwischen Rahmenrichtlinien und Unterricht. Es ist für Eltern, Schüler, die Öffentlichkeit transparent, verbindlich für alle Lehrpersonen, hat eine vertikale und horizontale Ausrichtung (spiralförmiger Aufbau) und vernetzt Fächer bzw. Lernbereiche.

Für die Erarbeitung des Schulcurriculum sind drei Ebenen zu berücksichtigen:

1. Die Fachgruppe: Sie erstellt das Fachcurriculum; dabei ist abzuwägen, wie detailliert der inhaltliche Teil sein soll (evtl. verbindliches Minimum aushandeln).
2. Der Klassenrat: Er plant fächerübergreifende Vorhaben.
3. Das Kollegium: Es plant klassenübergreifende Angebote, Wahlfächer, erarbeitet das besondere Profil der Schule.

Inspektorin Marta Herbst verglich das Ganze mit einem „großen Projekt“: von den Führungskräften sei daher Projektmanagement verlangt, der Prozess selbst sei wichtig („Der Weg ist das Ziel“).
Die Planvorgaben von Seiten des Schulamtes sind:

a) Bis September 2012 sind die Fachcurricula für das Pflichtbiennium zu erstellen.
b) Bis September 2014 sind die Fachcurricula aller fünf Klassen vorzulegen.

Wie die einzelnen Schulen vorgehen, ist ihnen freigestellt. Auch sollte das Schulcurriculum nicht als etwas Endgültiges, Fixes gesehen werden, das nicht mehr abänderbar ist.

Wie entsteht ein Schulcurriculum?

Die Schulen erarbeiten ihr ganz persönliches Profil: Was unterscheidet uns? Was sind unsere Besonderheiten und Eigenheiten? Worauf möchten/müssen wir achten? Was ist uns wichtig?
Selbstverständlich wird an Bewährtem angeknüpft (Projekte, Schwerpunkte, Angebote, Methoden…). Im Mittelpunkt der Ausarbeitung des Schulcurriculums steht das gemeinsame Arbeiten. Seine „Baussteine“ sind:

a) Die Fachcurricula
b) Die Wahlangebote
c) Die Schulschwerpunkte
d) Die Bewertungselemente (Dokumentation)
e) Die Bewertungskriterien
f) Übergreifende Lernangebote

Die Lehrpersonen sollten das Abgängerprofil der Mittelschüler kennen, um so passende Anknüpfungspunkte zu finden. Grundsätzlich geht es in Zukunft mehr darum, wie der Schüler die fachlichen und überfachlichen Kompetenzen erreicht.

Bemerkungen und Kommentar

Ich denke, wir sollten die „Reform“ wirklich als Projekt sehen und sie so auch handhaben. Projektarbeit heißt für mich vor allem Zusammenarbeit, aber auch, Planungsschritte und Zielvorgaben zu kennen, Pausen des Feedbacks bzw. der Evaluation einzubauen, ein Endergebnis anzupeilen. Die Prozesshaftigkeit ist ein wesentliches Merkmal („Der Weg ist das Ziel“). Zu vermeiden ist eine Überforderung und Überbürokratisierung des Ganzen.
Eine Herausforderung und neu werden die Bewertung und die Dokumentation des Lernfortschritts sein. Die Landesregierung arbeitet zurzeit an einem Beschluss, der demnächst veröffentlicht wird. Wir werden dann Näheres erfahren, was auf uns zukommt. Offene Fragen bleiben: Wie sehen Bewertungen und Prüfungen aus, die kompetenzorientiert sein sollen? Das Schulamt arbeitet zu all diesen Themen einen Leitfaden aus, der uns dann vorliegt. Außerdem wird es eine Reihe von Hilfestellungen geben (Fortbildung, Seminare, Treffen persönliche Beratung durch PBZ und PI).
Dass die reine „Wissensschule“ an ihre Grenzen geraten ist, beweist das Internet am besten. Insofern ist ein Lehrplan, der eine bloße Auflistung von möglichst vielen Inhalten ist, in meinen Augen wirklich überholt. Es darf aber auch nicht darauf hinaus laufen, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht mehr die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten erlangen, die sie für Studium und Beruf unbedingt brauchen. Wie dies mit der reformierten Oberschule am besten zu erreichen ist, das ist unsere Denkaufgabe.

jp