DIE ÜBUNGSFIRMA IM RAHMEN DER AUSBILDUNG IM FACH BETRIEBSWIRTSCHAFTSLEHRE
Der Wunsch der Buchhaltungs- und Handelstechniklehrer an den
Handels- und Handelsoberschulen unseres Landes, ihren Schülern eine möglichst
praxisnahen Unterricht zukommen zu lassen, besteht seit vielen Jahren. Bereits
in den siebziger und achtziger Jahren gab es verschiedene Versuche einiger Buchhaltungs-
bzw. Handelstechniklehrer, Prototypen der heutigen Übungsfirma zu entwickeln
und die Schüler auf diese Art und Weise an die verschiedenen Tätigkeiten
im Büroalltag heranzuführen. Jedoch erst mit dem Schuljahr 1997/98
konnte sich die Übungsfirma (kurz ÜFA genannt) in Zusammenarbeit mit
dem österreichischen Übungsfirmenservicestelle ACT (Austrian Center
for Training firms) als praktische Ausbildungsstätte der Schüler der
vierten Klassen zu etablieren. Seitdem sind die ursprünglich als Projekt
und später als Teil des curricularen Unterrichts eingeführten Übungsfirmenstunden
in den eigens dafür eingerichteten Räumlichkeiten ein nicht mehr wegzudenkender
Teil des BWL-Unterrichts, der in fächerübergreifender Form auch den
Einbezug anderer Fachbereiche vorsieht. Die Südtiroler Wirtschaftsschulen
versuchen auch auf diesem Wege eine praktische Umsetzung der Lerninhalte zu
ermöglichen.
Zweck der Übungsfirmen ist es nämlich, den Schülern den Arbeitsablauf
in einem möglichst realitätsnahen Betrieb nahezubringen. Die Mitarbeiter
der ÜFAs , Schüler der 4. Klassen der derzeitigen Handelsoberschulen
und Lehranstalten für Wirtschaft und Tourismus, arbeiten in den eigens
zu diesem Zweck errichteten Räumlichkeiten, dem gut ausgestatteten Betriebswirtschaftlichen
Zentrum (BWZ). Dieses besteht aus einem modern eingerichteten Großraumbüro,
das die Abteilungen Geschäftsführung, Sekretariat, Lager, Einkauf,
Verkauf, Rechnungswesen, Personal, Marketing und eine Stabstelle beherbergt,
die grundsätzlich in jedem realen Betrieb zu finden sind. Die Schüler
handeln dabei mit Waren oder bieten Dienstleistungen an, die allerdings nur
auf dem Papier bestehen. Dabei fallen verschiedene Aufgaben an: Briefe schreiben,
E-Mails und Faxe verschicken, telefonieren, Kataloge erstellen, Waren einkaufen
und verkaufen, Rechnungen versenden und verbuchen. Um die Abläufe wirklichkeitsnah
zu gestalten, unterhalten die Mitarbeiter Geschäftskontakte zu anderen
Übungsfirmen im In- und Ausland. Die Mitarbeiter der Übungsfirma werden
von zwei Fachlehrern betreut, die meist auch die Geschäftsführung
übernehmen. Der Zahlungsverkehr wird über eine eigens zu diesem Zweck
in Zusammenarbeit mit den Südtiroler Raiffeisenkassen ins Leben gerufene
ÜFA-Bank abgewickelt. Die Autonome Servicestelle der Übungsfirmen
in Südtirol (ASÜS) koordiniert den gesamten Übungsfirmenring,
bietet verschiedene Serviceleistungen (z. B. Behördensimulation) an und
führt vor allem die ÜFA-Bank. Die ASÜS ist zudem Ansprechpartnerin
für die verschiedenen nationalen und internationalen Übungsfirmenzentralen.
Die über 40 Südtiroler Übungsfirmen besitzen zumeist eine sogenannte
Partnerfirma, ein reelles Unternehmen aus demselben Wirtschaftszweig, das den
Schülern mit seinem Fachwissen zur Seite steht und auf diese Weise den
direkten Bezug zur Praxis garantiert.
Sie stellen jedes Jahr auf einer der im In- und Ausland ausgeschriebenen Übungsfirmenmessen
ihre Produkte aus und sammeln bei dieser Gelegenheit wichtige Erfahrungen im
Verkaufsbereich, die zumeist gekoppelt sind mit der Verwendung der italienischen
bzw. englischen Sprache im Rahmen eines Verkaufsgespräches.
Die Übungsfirma bietet den Schülern die Möglichkeit, zusätzlich
zur Vertiefung der Inhalte verschiedener Fächer, Kenntnisse und Qualifikationen
im Bereich der Präsentationstechniken, Teamfähigkeit, Problemlösungsfertigkeit
und im Umgang mit technischen Geräten und der Unternehmensumwelt zu erwerben
bzw. auszubauen. Die Sicherung und Steigerung der Qualität der Übungsfirmenarbeit
ist dementsprechend ein Hauptarbeitsschwerpunkt jeden Unterrichtsjahres. Im
Rahmen des vom Österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft
und Kultur sowie der ACT- Servicestelle der österreichischen Übungsfirmen
ausgeschriebenen Wettbewerbes „Qualitätsmarke ÜFA“ erwerben
interessierte Übungsfirmen eine entsprechende Zertifizierung.
Die Übungsfirma stellt somit eine Unterrichtsform dar, die die Forderung
der anstehenden Oberschulreform nach größtmöglicher Praxisnähe
seit vielen Jahren vorweggenommen hat.
cb