BEWEGUNG UND SPORT AN SÜDTIROLS SCHULEN

Das Amt für Evaluation hat im vergangenen Jahr die Schulsportstudie ausgewertet, die in Zusammenarbeit mit dem Amt für Schulsport am Schulamt durchgeführt wurde.
Dabei ergab sich Folgendes: DirektorInnen (99%), Lehrpersonen (69%- 91%), Grund- und Mittelschü-lerInnen (76 – 86%), Eltern (95%) und Sportvereinsvertreter (99%) sehen den Sportunterricht als wichtig an. Indirekt spiegelt sich diese Wertschätzung in der hohen sportlichen Aktivität der Personengruppen in ihrer Freizeit wider (ausgenommen sind hier die Eltern).
Diesen mehr als eindeutigen Ergebnissen sind bislang noch keine Taten gefolgt. Dabei bedenkt offensichtlich niemand, dass gerade in jungen Jahren jegliches Lernen über Bewegung erfolgt und Inhalte besonders gut haften bleiben, wenn sie bewegt erlebt werden. Außerdem arbeitet das Gehirn viel besser, wenn es in Folge von Bewegung besser durchblutet wird, und das Stillsitzen fällt besonders kleineren Kindern wieder leichter, wenn sie sich mehr bewegen dürfen. Die Verantwortlichen sprechen davon, wie wichtig die Bewegung nicht nur für die Heranwachsenden, sondern auch für die Erwachsenen sei. Immer dann, wenn etwas als besonders wichtig erachtet wird, wird es der Verantwortung der Schule übergeben: Sexualerziehung, Verkehrserziehung, Suchtprävention, wozu wurden wir nicht schon alles verdonnert? Was passiert aber mit der Bewegung? ÄrztInnen schlagen Alarm, weil in Europa ein Drittel der Kinder übergewichtig ist, sie fordern mehr Bewegung für alle. Und was passiert in Südtirols Schulen? Wir sind ohnehin das Schlusslicht in Europa, was die Anzahl der verpflichtenden Sportstunden angeht. An Grund- und Mittelschulen
wird dann noch der Bewegungs- und Sportunterricht gekürzt, um mit diesen Stunden „wichtigere“, kopflastige Fächer, zu versorgen. Die SportlehrerInnen stehen häufig allein auf weiter Flur, weil sie bei Abstimmungen im Kollegium anderen Fachgruppen zahlenmäßig weit unterlegen sind. Es darf nicht sein, dass über ein so wichtiges Fach, das die Gesundheit und das Wohlbefinden betrifft, das Kollegium entscheiden darf! Darüber, ob Verkehrserziehung (mit der nicht unumstrittenen Möglichkeit, den Führerschein fürs Moped zu erwerben) ins Programm der Schule aufgenommen wird oder nicht, stimmt niemand ab: Es muss laut Gesetz in einem bestimmten Ausmaß an Stunden angeboten werden. Warum nicht auch Bewegung und Sport? Warum darf es sein, dass GrundschülerInnen der 4. Klassen nur mehr eine Wochenstunde B&S haben? Warum haben viele MittelschülerInnen mit alternierendem Stundenplan jede zweite Woche auch nur eine Stunde B&S? Warum darf B&S an vielen Grundschulen ins Wahlfach ausgelagert und in die Hände der Sportvereine gelegt werden, die naturgemäß eine andere Zielsetzung haben als der Schulsport? Wir SportlehrerInnen im ISL setzen uns schon lange für einen qualitativ hochwertigen, vielseitigen Bewegungs- und Sportunterricht auch an den Grundschulen ein. Schulamt und DirektorInnen dürfen nicht weiter tolerieren, dass ein Fach, das für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen von so grundlegender Bedeutung ist, einfach gekürzt wird.

pg