SPORTLEHRER — ROLLE(N)

Die Lehrpersonen für Sport und Bewegung sind eine ganz besondere Gattung: Fit, braun gebrannt und stets in Bewegung.
Was aber tun Sportlehrer/innen, wenn sie arbeiten?
Nun, erst einmal verlangt der Unterricht auch in B&S Vorbereitung und Planung. Schließlich sollten alle Schüler/innen während der Sportstunden ständig in Bewegung sein, ohne sich dabei zu verletzen. Das wird immer schwieriger, weil die Klassen größer werden und die Schüler/innen im Durchschnitt viel weniger Bewegungserfahrung mitbringen als noch vor einigen Jahren. Die Turnhallen sind nicht immer groß genug für Klassen mit 25 und mehr Jugendliche, längst nicht jede Schule im reichen Südtirol verfügt auch über eine eigene Turnhalle, und nicht alle Turnhallen sind ausreichend ausgestattet. Es ist also nicht immer einfach, ein abwechslungsreiches, anspruchsvolles Programm anzubieten, weil eben häufig Infrastrukturen oder aber Gelder für die nötige Instandhaltung fehlen.
Auch die Jugend in Südtirol weist zunehmende Defizite im motorischen Bereich auf, mit teils gravierenden Konsequenzen für die Gesundheit. Hier kann und muss der Schulsport eingreifen. Der Vereinssport, der in den Medien immer wieder lobend erwähnt wird, hat zweifelsohne seine Bedeutung, aber Zielsetzungen, die sich von Sport im Sinne von Gesundheitserziehung und Prävention wesentlich unterscheiden. Darum braucht es dafür qualifizierte Lehrpersonen an allen Schulstufen. Hier gilt es noch aufzuholen, besonders was die Grundschule betrifft (s. Schulsportstudie).
Mit der Vorbereitung auf den Unterricht ist es natürlich noch nicht getan. In den meisten Turnhallen gibt es Geräteräume, aber immer seltener auch einen Hallenwart, der den Lehrpersonen für B&S zur Hand geht. Also erledigen die meisten Sportlehrer/innen auch die Instandhaltung selbst: Bälle aufpumpen, Therabänder einpudern, Springseile entwirren, Matten ordentlich stapeln, kaputte Geräte reparieren oder entsorgen, Kostenvoranschläge einholen, neue Geräte beschriften und einordnen, vergessene Wertsachen bei den Schulwarten deponieren, Eimer unterstellen, wenn es durchs Dach herein regnet und und und. Das alles ist ganz schön zeitaufwändig, weil es immer wieder von Neuem zu tun ist.
Wenn es dann darum geht, als Schule an den diversen Bezirks- und Landesmeisterschaften teilzunehmen, sollten alle Klassen informiert und besonders geeignete Schüler/innen angesprochen werden. Sobald die Namen der teilnehmenden Schüler/innen bekannt sind, kann die Anmeldung über Lasis erfolgen, wobei auch die Beförderung der Schüler/innen (mit Abo+) zu organisieren und die entsprechende Mitteilung zu schreiben und auszuteilen ist. Damit ist es aber noch nicht getan, denn die Schüler/innen müssen mit Vermerk in den Registern regulär (vor)entschuldigt werden, Trikots oder Startnummern erhalten, es muss der Erste Hilfe Koffer eingepackt werden, manchmal ein Sack voller Bälle. Nach den Wettkämpfen ist dafür zu sorgen, dass die Trikots und Startnummern wieder zurück gegeben, vielleicht auch gewaschen werden. Die Begleitung zu diesen Veranstaltungen ist sehr zeitintensiv, weil es sich häufig um ganze Tage und nicht nur um zwei, drei Stunden handelt.
Zu diesen Veranstaltungen kommen noch die schulinternen Wettkämpfe, Sportfeste, Turniere, die auch wieder hauptsächlich von den Lehrpersonen für B&S koordiniert und betreut werden. In vielen Fällen gibt es nur eine, vielleicht zwei Lehrpersonen für B&S an einer Schule. Die schaffen die ganze Arbeit nur deshalb, weil Sportlehrer/innen ganz besondere, stressresistente Menschen mit echtem Organisationstalent sind.
Es versteht sich von selbst, dass auch Lehrpersonen für B&S Fachliteratur studieren und sich laufend weiterbilden, denn gerade in diesem Bereich gibt es immer wieder neue Erkenntnisse, Methoden und Trends. Außerdem sind besonders Gesundheitsthemen ein zentrales Anliegen, weil sich die Fälle häufen, in denen Schüler/innen mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen (Suchterkrankungen, Essstörungen...) zu kämpfen haben.
Es ist klar, dass auch Sportlehrer/innen Facharbeiten betreuen und korrigieren und an den üblichen Sitzungen (für 9-10 Klassen) teilnehmen.
Die Kombination von Lärm und körperlichem Einsatz, die der Sportunterricht mit sich bringt, stellt eine nicht zu unterschätzende Belastung dar.
Der Sport als wichtigste Nebensache der Welt, auch und gerade der wirtschaftlichen und politischen Welt, muss ein wichtiger Bestandteil einer jeden Schule bleiben. Gerade in unserem Fach erwerben Schüler/innen soziale Kompetenzen wie Fairplay, das Einhalten von Regeln, den Geist des Wettkampfs, die Ausdauer beim Üben, den Respekt für den Gegner, das Durchhalten, den Kampfgeist … Kompetenzen, die – last but not least!- fürs Leben rüsten: Non scholae, sed vitae discimus!

Patrizia Gozzi