DIE NEUORDNUNG DER OBERSTUFE—STAND AM 23.NOVEMBER 2010
Mit der Genehmigung des Gesetzes zur Neuordnung der Oberstufe
im September 2010 durch den Südtiroler Landtag ist der Grundstein für
die Errichtung der neuen Gymnasien, Fachoberschulen und die Schulen der Berufsbildung
gelegt worden. Hierzu sind aber noch Schulverteilungsplan und Rahmenrichtlinien
sowie Ausbildungsplan der Berufsbildung von der Landesregierung per Beschluss
zu verabschieden. Der Schulverteilungsplan legt fest, wo welche Schulen welche
Bildungsangebote bereitstellen werden, die Rahmenrichtlinien definieren Unterrichtszeiten
und die Stundentafeln und werden die bestehenden Lernpläne ersetzen. Geplant
ist die Verabschiedung der beiden Beschlüsse noch in diesem Jahr.
Im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten hierzu hat es im Oktober 2010 eine ganze
Reihe von Gesprächen und Informationstreffen gegeben. Den Anfang machten
am 5. Oktober 2010 die Direktorinnen und Direktoren der Oberschulen. Ihnen wurde
als Erste der erste Entwurf zum Schulverteilungsplan ausgehändigt. Einen
Tag später, am 6. Oktober diskutierten Schullandesrätin Sabina Kasslatter
Mur, die Schullandesräte Hans Berger und Christian Tommasini sowie Schulamtsleiter
Peter Höllrigl und Schulamtsleiterin Nicoletta Minnei mit Vertretern der
Schulgewerkschaften und des Arbeitskreises Südtiroler Mittel-, Ober- und
Berufsschullehrerinnen und -lehrer (ASM). Inhalt der Diskussion sowohl mit den
Schulführungskräften als auch mit den Gewerkschaften und dem ASM war
der Verteilungsplan der Bildungsangebote und die Rahmenrichtlinien. Dem Verteilungsplan
liegen klare bildungspolitische Leitlinien zugrunde. Beim Treffen mit den Vertretern
der Schulgewerkschaften und des ASM ging es in erster Linie um den „Arbeitsmarkt
Schule“, also die Auswirkungen der Reform auf die Lehrpersonen. Die nächsten
Gesprächspartner waren am 7. Oktober die Vertreter der Sozialpartner. Im
Mittelpunkt der Diskussion stand der Beitrag der Schule zur gesellschaftlichen
Entwicklung. Im Detail wurde der gesellschaftspolitische Stellenwert der Schule
diskutiert mit Bezug auf den Entwurf der bildungspolitischen Leitlinien. Einen
ersten Informationsaustausch mit dem Landesbeirat der Eltern gab es bei dessen
Vollversammlung am 16. Oktober. Die Schulführungskräfte ihrerseits
diskutierten zum zweiten Mal die Entwürfe zum Verteilungsplan und die Rahmenrichtlinien
bei Ihrer Tagung am 19. Oktober. Einen Tag später am 20. Oktober, zur Halbzeit
der Gespräche, zog Landesrätin Sabina Kasslatter Mur im Rahmen einer
Pressekonferenz eine Zwischenbilanz der Diskussion und ging auf die kontrovers
diskutierten Punkte der Reform ein. Seit der Verteilung der Entwürfe und
nach den zahlreichen Aussprachen sind rund 300 Rückmeldungen von Fachgruppen,
Vereinigungen, Schulen und Privatpersonen im Schulamt und bei Landesrätin
Kasslatter Mur eingegangen. Die Knackpunkte der Reformvorschläge, reichen
von der musikalischen Ausbildung über das Angebot an klassischen Gymnasien,
den Fachrichtungen und Schwerpunkten der künftigen Fachoberschulen bis
hin zur vorgesehenen Unterrichtszeit an Gymnasien und Fachoberschulen. Kontrovers
diskutiert wird auch die dienstrechtliche Regelung für Lehrpersonen staatlicher
Schulen in Zusammenhang mit der Möglichkeit, an einer Berufsfachschule
zu unterrichten.
Ab dem 26. Oktober fanden weitere Informationstreffen statt, so mit Lehrpersonen
aus den verschiedenen Bezirken: Mit jenen aus dem Vinschgau und dem Burggrafenamt
traf sich Landesrätin Kasslatter Mur am 26. Oktober in Meran, mit jenen
aus dem Eisack- und Pustertal am 27. Oktober in Brixen, mit jenen aus Bozen
und dem Unterland am 29. Oktober in Bozen. Parallel dazu gab es Gespräche
mit den Schul- und Elternratsvorsitzenden der Schulen sowie dem Vorstand des
Landesbeirates der Eltern am 28. Oktober, mit den Bürgermeisterinnen und
Bürgermeistern und Vertretungen der Bezirksgemeinschaften am 29. Oktober
und dem Landesbeirat der Schülerinnen und Schüler ebenfalls am 29.
Oktober.
Am 8. November genehmigte die Landesregierung in erster Lesung den Entwurf zu
den bildungspolitischen Leitlinien und zum Schulverteilungsplan. Am 22. November
gab auch der Landesschulrat dazu ein positives Gutachten, mit der Auflage den
Verteilungsplan in zwei Jahren zu evaluieren und die bildungspolitischen Leitlinien
in zwei Punkten präziser zu formulieren. Am 29. November wird sich der
Landesschulrat mit den organisatorischen und fachlichen Rahmenrichtlinien befassen
und dazu sein Gutachten abgeben. Zusammen mit dem Gutachten des Rats der Gemeinden
ist der Weg dann frei für den definitiven Beschluss der Landesregierung
am 13. oder 20. Dezember.
Um Jugendliche, Eltern und die Öffentlichkeit über die Neuerungen
zu informieren, hat die Landesregierung ab Jänner 2011 eine drei Monate
lange intensive Informationskampagne beschlossen. Zudem findet vom 17. bis 20.
Februar 2011 eine Bildungsmesse zur Oberstufenreform in der Bozner Messe statt.
Familien, deren Kinder die dritte Klasse der Mittelschule besuchen, sowie andere
Interessierte erhalten außerdem eine Broschüre mit sämtlichen
Informationen zur Reform, als eine zusätzliche Hilfe, um bei der Einschreibung
in eine Schule der Oberstufe eine gute Entscheidung zu treffen.
Inspektorin Marta Herbst