OSR—WIE GEHT ES WEITER!

Die Reform der Oberstufe tritt in die nächste Phase, die Phase der Umsetzung. In zwei Sitzungen vom 22. und 29. November 2010 hat der Landesschulrat sein gesetzlich vorgegebenes, allerdings nicht bindendes Gutachten zu Schulverteilungsplan und Rahmenrichtlinien abgegeben. Dieses ist – mit einigen Verbesserungsvorschlägen – positiv ausgefallen. Nun kann die Landesregierung – voraussichtlich am 13. Dezember (Tag der Hl. Luzia, Lichtfest) – das Reformpaket verabschieden und an das Unterrichtsministerium in Rom zur endgültigen Genehmigung weiterleiten. Diese wird das Ganze voraussichtlich innerhalb März genehmigen, sodass ab April 2011 mit der endgültige Verwirklichung begonnen werden kann. In Kraft treten wird die OSR-Reform auf jeden Fall mit 1. September 2011.
Die Auseinandersetzungen um den „Schulverteilungsplan“ waren in den vergangenen Monaten ziemlich heftig, da sich die hiesige Schullandschaft – vor allem der deutschen Schule, weniger der italienischen und fast kaum der ladinischen – stark verändern wird. Ganze Schultypen verschwinden völlig aus der Bildungslandschaft (LEWIT, LESO, traditionelle Fachrichtung FOS), ohne dass die Betroffenen genau wissen, was an ihr Stelle treten soll. Die meisten anderen Oberschulen erhalten eine neue oder eine zumindest abgeänderte, teilweise auch reduzierte Ausrichtung. Alle bekommen sie jedenfalls eine neue Bezeichnung. Die dahinter stehende Absicht ist, eine Vereinfachung, Straffung und wo möglich auch eine Vereinheitlichung des Bildungsangebotes für die 14- bis 19jährigen Jugendlichen zu erreichen. Einsparung von Kosten stand hierfür besonders auf gesamtstaatlicher Ebene Pate. Einige Verbesserungen konnten durch die öffentliche Debatte jedenfalls erreicht werden. Es ist natürlich jetzt zu früh darüber zu debattieren, welche Auswirkungen der neue Verteilungsplan haben wird bzw. wie er von Schülern und Eltern angenommen wird. Jedenfalls hat sich der Landesschulrat dafür ausgesprochen, dass eben diese Auswirkungen in zwei Jahren von der Landesregierung überprüft (evaluiert!) und zur Diskussion gestellt werden.
Nicht weniger Stress – diesmal besonders auf Seiten der Lehrer – hat die Bekanntgabe der Jahresstundenkontingente und deren Verteilung unter den verschiedenen Fächer hervorgerufen. Da die Unterrichtszeit insgesamt reduziert wird, musste die verminderte Stundenzahl klarerweise auf die einzelnen Fächer umgelegt werden. Das hat zu vielen, auch geharnischten Reaktionen der betroffenen Lehrpersonen, vor allem aber Fachgruppen, geführt. In der Folge wurde das Jahresstundenkontingent um ein Weniges (durchschnittlich eine Wochenstunde) erhöht. Einigen, aber lang nicht alle Wünschen konnte damit etwas entgegen gekommen werden. Die Auseinandersetzung wird nach endgültiger Genehmigung der Rahmenrichtlinien vermutlich in einzelnen Schulen weitergehen, da über die flexible Quote von 20 Prozent bzw. die Verwendung des Stundenkontingents Fächerübergreifende Lernangebote noch einiges INNERHALB des den Schulen zugesprochenen Stundenkontingents verschoben werden kann.
Der nächste – und wohl zachste – Knackpunkt wird jetzt wohl die Umsetzung der von der Landesregierung als verbindlich festgelegten Rahmenrichtlinien (RaRiLi) der einzelnen Fächer sein. Diese RaRiLi wurden über den vergangenen Sommer von verschiedenen Lehrpersonen ausgearbeitet, weitestgehend in Unkenntnis der reduzierten Stundenanzahl, und sind sehr unterschiedlich, meist allerdings sehr umfangreich und sehr komplex geraten. Wie diese Rahmenrichtlinien konkret im Unterricht umgesetzt werden können bzw. müssen, ist noch weitgehend unklar. Jedenfalls kommt auf die Lehrerkollegien, besonders die Fachgruppen und die einzelne Lehrperson ein gehöriges Stück Planungsarbeit zu. Da die RaRiLi vor allem auf Kompetenzen, zu erwerbende Kenntnisse und Fertigkeiten setzen, müssen diese nach Ende eines jeden Bienniums sowie für die Zulassung zur staatlichen Abschlussprüfung auch entsprechend dokumentiert werden. Zusätzlich zu den Ziffernnoten, die ja wegen der gesamtstaatlichen Gültigkeit und Vergleichbarkeit weiterhin vorgeschrieben sind.
Das kommende Jahr 2011 wird daher für die Oberschule sicherlich ein intensives sein!

(CvH)